Abschied Netzwerk Seewalchen HILFT

SEEWALCHEN hat VIEL geholfen!

In den letzten vier Jahren konnten wir hier in Seewalchen vielen schutzsuchenden Menschen einen neuen und guten Start in ihr neues Leben abseits ihrer Heimat ermöglichen. Durch die sich verändernde Unterbringungssituation für AsylwerberInnen wird es in Zukunft nur noch sehr wenige bis gar keine Flüchtlinge mehr geben, die im Rahmen der Grundversorgung in der Gemeinde Seewalchen leben. Von daher wird das Projekt Seewalchen HILFT nicht mehr in dieser Form von Nöten sein, und wir möchten mit diesem Bericht einen Rückblick auf unsere Tätigkeiten geben.

Begonnen hat es im Herbst 2014, als in Steindorf ein Flüchtlingsquartier für 20 Bewohner eröffnet wurde. Sehr schnell bildete sich eine Gruppe von Freiwilligen, welche die Flüchtlinge bei der Bewältigung ihres Alltags in einer für sie total fremden Welt unterstützten: Beim Deutschlernen, bei Behörden- und Arztbesuchen, durch Fahrdienste u.a. Auch wurde versucht, die Grundbedürfnisse durch Sachspenden zu decken.

In den darauffolgenden Monaten stieg die Zahl der Asylwerber und der Quartiere, insgesamt waren über die Jahre 2014-18 111 AsylwerberInnen aus über 10 Nationen in 8 verschiedenen Quartieren untergebracht.

Sensibilisiert durch die schrecklichen Ereignisse in den Kriegsgebieten, aus denen diese Menschen kommen, war die Hilfsbereitschaft der SeewalchnerInnen enorm. Viele sehen in ihrem Beitrag auch eine persönliche, sinnstiftende Herausforderung. So gab es in den „Spitzen“-Jahren 2016/17 über 50 regelmäßige freiwillige Helfer!

Zur besseren Koordinierung aller Aktivitäten entstand nach Vorbild ähnlicher Netzwerke „Seewalchen HILFT“: Als „Integrationsdrehscheibe“ und in Kontakt mit den verschiedenen Betreuungsorganisationen, der Gemeinde, der katholischen und evangelischen Pfarre, unseren Schulen, Vereinen, der Feuerwehr, aber auch mit den Flüchtlings-Netzwerken der benachbarten Gemeinden sowie diverser Integrationsstellen im Bezirk.

Von Anfang an wichtig war der persönliche Kontakt zu den Flüchtlingen, der Blick auf das Gemeinsame: Tanzabende, Basteln und Nähen, ein Malkurs, Kekserlbacken und gemeinsames Kochen, Ausflüge und Wanderungen fanden großen Anklang.

Um Begegnungen mit der Bevölkerung zu ermöglichen, gab es die unterschiedlichsten Veranstaltungen: regelmäßige Feste und Begegnungscafes, Frühschoppen der Vielfalt (gemeinsam mit Schörfling), Fest der Kulturen mit der Musikschule, Filmabend im Rahmen der Begegnungswoche…die Veranstaltungen waren durchwegs gut besucht – nicht selten von über 100 Teilnehmern, vor allem, wenn die Flüchtlinge die BesucherInnen mit Spezialitäten aus ihren Heimatländern bekochten.

Da es manchen Asylwerbern ein Bedürfnis war, in unserer Kirche zu beten, entstand in Zusammenarbeit mit der Pfarrassistentin von Seewalchen das „interreligiöse Friedensgebet“. Einmal im Monat beten SeewalchenerInnen und Flüchtlinge mit unterschiedlich religiösem Hintergrund gemeinsam für Frieden.

Eine der demütigsten und frustrierendsten Erfahrungen der Flüchtlinge war und ist es, nicht arbeiten zu dürfen Aber auch Asylwerber halfen und wollten sich einbringen: beim Entschutten des Kirchendachbodens, bei der Flurreinigung, beim Ausmalen des Pfarrsaals, beim Bepflanzen der Rosenstiege, bei div. Flohmärkten und Veranstaltungen, in Form von Voluntariat und Saisonarbeit, bei der Müllabfuhr und im Rahmen des Dienstleistungsschecks in privaten Gärten und Haushalten.

Es ist schön zu sehen, dass das Miteinander, das Helfen und die Integration in Seewalchen so unkompliziert funktionieren. Und es ist mehr als befriedigend, wenn anerkannten Flüchtlinge, nach einigen Jahren mit viel Unterstützung , wieder ein „normales“ Leben möglich ist: Wohnung, Arbeitsstelle oder Lehre, soziale Kontakte,…..

DANKE DANKE DANKE allen Helfer/Innen und Spender/Innen, die sich auf dieses so bereichernde Abenteuer des Miteinanders eingelassen haben!